30.11.2001 bis 02.12.2001

Ein Treffen von Chören der besonderen Art sollte es werden, ein Festival der Advents-und Weihnachtsmusik. Geprägt durch die Schirmherrschaft des bedeutenden tschechischen Gegenwartskomponisten Petr Eben, schien simple Weihnachtsmarktstimmung im geschlossenen Raum ohnehin ausgeschlossen zu sein.

Schon die vorbereitende Beschäftigung mit Ebens 12-Ton-Musik ließ die beiden Maestri Axel und Matthias beinahe vorzeitig altern. Die musikalischen Anforderungen an den Neuen Chor Dresden zeigten Grenzen, aber nie wurde kapituliert. Neben Petr Ebens Liedern nahmen wir weitere anspruchsvolle musikalische Kost mit in das südliche Nachbarland. Das erzeugte eine sicher sehr produktive Spannung, zumal uns das Niveau der Wettbewerber aus Europa und Südafrika völlig unbekannt war.

30.11.01

Die Fahrt am Freitag, dem 30. November, mußte beschäftigungsbedingt in zwei Bussen um 10 Stunden zeitversetzt gestartet werden. Der erste Bus nahm über Schmilka, Usti, Lobovice Kurs auf die goldene Stadt an der Moldau, die uns mit ihrem Freitagmittag Verkehr eine kleine Verspätung einbrachte.

Unser HOTEL OPATOV, auf einer Anhöhe am Stadtrand gelegen, zeigte sich als 19-Geschosser mittleren Standards, dessen 3 Sterne relativ zu sehen sind. Unerwartet für uns: nur Tschechisch und Englisch am Tresen der Rezeption und die Eincheckdauer unserer Pässe von ganzen sieben Stunden.

Also fuhren wir mit unserer Stadtführerin Ludmilla ohne Legitimation in die Innenstadt. Dort lösten sich schon die ersten Chormitglieder von der beabsichtigten Besichtigung. Im U Fleku, dem durch Schwejk bekannten touristischen Kultlokal, nahmen wir ein Mittagsmahl mit dem U-Fleku-Schwarzbier ein. Die Atmosphäre reißt zumindest zu dieser Zeit keinen vom Hocker, die Preise schweben weit darüber. Derart traditionell gestärkt, strömten wir nun durch Neustadt und Altstadt, verbrauchten viel Zeit in einer Kristallausstellung. An der Karlsbrücke angekommen, war die Dunkelheit über Prag hereingebrochen, und das von Platz zu Platz geschrumpfte Häufchen löste sich zu individuellem Tuen auf.

Mit dem preiswerten 3-Tage-Ticket benutzten wir die Metro nach Opatov, um im 19. Stockwerk das Abendbrot vom Buffet auszufassen.

Das Eröffnungskonzert im Národní Dum bot durch einen hochqualifizierten Kinderchor die Einstimmung zum Festival im Beisein Petr Ebens. Etwas peinlich die schwache Beteiligung der NCD-Mitglieder vom 1. Bus.

Die zweite Busbesatzung erreichte pünktlich gegen 21 Uhr das Hotel Opatov.

01.12.01

Das Frühstücksbuffet in der 1. Etage des Hotels war ausreichend an Auswahl und Menge. Die Kaffeegenießer mußten jedoch Abstriche vom Gewohnten machen.

Dieser Tag war vom Offiziellen geprägt. Chorkleidung im Handgepäck, brachte uns die Metro zum Národní Dum im Stadtteil Vyuehrad. Dort hatte der Chor nochmals Gelegenheit zu proben.

10.40 Uhr schlug die Stunde der Wahrheit eine gute, eine Sternstunde für uns. Insbesondere die Interpretation der schwierigen Ebenschen 12-Ton-Musik klang so perfekt und scheinbar leicht durch den Saal, daß der Zuhörer und auch die Jury angenehm berührt waren. Die deutlich hörbaren Unreinheiten im Sopran sollten jedoch ernsthaft behandelt werden. Aber im Feld der gemischten Chöre gleicher Altersstruktur gebührt dem Neuen Chor Dresden ein vorderer Platz.

Ein wenig Zeit blieb noch, andere Chöre zu hören.

Vor der Kirche in Vyuehrad auf der Treppe formierte sich der NCD zum Weihnachtslieder-Kurzprogramm.

Nach dem Mittagmahl im Hotel OPATOV war die Teilnahme am Open-Air-Singen auf dem Altstädter Markt angesagt. Es war dann auch ein Erlebnis, wie alle Chöre unterschiedlicher Nationen die Lieder intonierten, während sich über Prag die Dunkelheit ausbreitete.

Die Zeit bis zum Abschlußabend des Festivals nutzte jeder individuell.

Der Treff in der Metrostation Holeuovice zeigte leider ähnlich wie bei der Eröffnung – eine klägliche Beteiligung unseres Chores. In der Messehalle, in der die Preisverleihung stattfand, waren einige Tische spärlich besetzt. Die kulturelle Umrahmung vor dem spannenden Akt besorgte ein Volkskunstensemble mit alten Instrumenten und Liedern.

Die Bewertung der Chöre erfolgte in mehreren Sparten. Der Neue Chor Dresden erhielt verdient eine Bronze-Medaille und extra wegen der bedeutsamen Interpretation der Petr-Eben-Musik Noten neuerer Lieder aus der Hand des Komponisten. Der Stolz und die Freude darüber leuchtete unseren beiden jungen Dirigenten aus den Augen, wie nebenstehend erkennbar.

Die Live-Rock-Musik nach dem offiziellen Teil wurde von jung und alt mit Jubel begrüßt. Die freie Fläche war im Nu dicht bevölkert.

02.12.01

Kofferpacken, Frühstücken und dann noch schnell ein wenig Prag genießen – der letzte Tag sollte doch nicht ganz leer und blaß sein, wie sich das Wetter in Tschechien an diesem Sonntag zeigte. Jeder konnte frei die Zeit bis zur Abfahrt der Busse gestalten. Ob Burgviertel, Innenstadt oder Mucha-Museum, Prag bietet viel.

Aufregung noch am Ende der Reise. Ingrid wurde in der Innenstadt von einem Könner dieser Branche beraubt, ohne etwas dagegen tun zu können. Die Polizeistreife war an der Sache nicht interessiert und verschwand sehr schnell, vielleicht weil sich die jungen Glatzköpfe in Opatov versammelten.

Trotz Ingrids fehlender Papiere konnten wir alle ungehindert die Grenze passieren.

Eine erfolgreiche Auslandsreise ging zu Ende.

Text: Klaus